30.06.2005
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Bundesverband
Trotz Bettenabbau steigen Kosten und Arbeitsbelastung in den Krankenhäusern
IAT: Durch Zunahme der Pflegefälle und sinkende Ausbildungszahlen droht Pflegenotstand in NRW. Anstieg der Ausbildungszahlen nur bei Physiotherapeuten, Logopäden
Die Krankenhäuser in der Bundesrepublik haben in den letzten Jahren rund 18 Prozent der Betten abgebaut und die Verweildauer der Patienten um fast 35 Prozent zurückgefahren. Trotzdem stiegen im gleichen Zeitraum die Ausgaben um über 40 Prozent. Steigende Fallzahlen - plus 20 Prozent - führen zu besonderen Belastungen für das Personal. Doch die notwendigen Personalaufstockungen stoßen an Grenzen; in Nordrhein-Westfalen sind die Ausbildungszahlen in der Krankenpflege um 19 Prozent, in der Altenpflege um über 8 Prozent zurückgegangen. „Hier muss dringend gegengesteuert werden, sonst droht in Kürze der Versorgungsnotstand in NRW\", so Stephan von Bandemer vom Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen).
Nach Angaben des IAT wird die Zahl der Pflegefälle in NRW aufgrund der demografischen Entwicklung bis zum Jahr 2015 um rund 130.000 auf 590.000 zunehmen. Durch die Verweildauerreduzierung in den Krankenhäusern fallen in NRW bis 2010 weitere 10 Millionen Versorgungstage an, für die im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt zumindest teilweise Pflegeleistungen zu Hause, ambulant oder stationär in Anspruch genommen werden müssen. Allein bei den über 65-jährigen Patienten kommt es für das häufigste Drittel der Fälle zu einer Verweildauerreduzierung von fast 5 Millionen Tagen.
Um am Arbeitsmarkt der Gesundheitswirtschaft die Schere zwischen künftigem Angebot und Nachfrage zu schließen und die Beschäftigten für künftige Anforderungen fit zu machen, muss die Ausbildung dringend forciert werden, so Stephan von Bandemer. Dabei geht es nicht nur um den aktuellen Bedarf, sondern um eine innovationsorientierte Ausbildungsstruktur, die z.T. mit neuen Qualifikationen, Berufsbildern, Abschlüssen und Übergängen den Anforderungen im künftigen, modernen und reformierten Gesundheitswesen Rechnung trägt.
Wie „Moderne Arbeit und Qualifizierung in der Gesundheitswirtschaft NRW\" entwickelt werden kann, hat die MedEcon-Arbeitsgruppe Lernallianzen in einem Memorandum beschrieben, das federführend vom Bildungsinstitut im Gesundheitswesen (BiG/Duisburg) und dem IAT erarbeitet wurde. \"Während in anderen Wirtschaftsbranchen vielfach über Bedarf ausgebildet wird, um Jugendlichen eine Perspektive zu bieten, wird in der Gesundheitswirtschaft überwiegend kostenorientiert unter Bedarf ausgebildet\", stellt der IAT-Wissenschaftler Stephan von Bandemer fest. Aber auch in der Gesundheitswirtschaft muss Ausbildung als Investition verstanden werden. \"Wer Weltmeister in der Gesundheitswirtschaft werden will, der muss auch Weltmeister bei Ausbildung und Qualifizierung in der Gesundheitswirtschaft sein!\"
Lediglich bei einigen nicht medizinischen Heilberufen (Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten) und einigen Berufen im Gesundheitshandwerk (Augenoptiker, Orthopädieschuhmacher) ist in den letzten Jahren ein Anstieg der Ausbildungszahlen zu verzeichnen. Selbst bei den Arzthelferinnen, die bisher deutlich über Bedarf ausgebildet wurden, gibt es einen bedenklichen Rückgang. Die Ausbildung zur Arzthelferin schafft zumindest eine gute Grundlage für eine Weiterqualifizierung in weitere Berufe der Gesundheitswirtschaft. So können Arzthelferinnen beispielsweise zu Dokumentationsassistentinnen ausgebildet werden und damit Ärzte und Pflegekräfte von administrativen Aufgaben entlasten oder mit einer Zusatzqualifikation im Bereich Praxismanagement die Organisation von medizinischen Versorgungszentren unterstützen.
Quelle: Institut Arbeit und Technik